Montafonerbahn, Kunst und Bau Wettbewerb Kunstforum Montafon 2005

Ausschreibung
Die Montafonerbahn AG schreibt in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Montafon anlässlich ihres 100jährigen Bestehens einen künstlerischen Wettbewerb aus. Ziel ist die Erlangung von konkreten Konzepten künstlerischer Intervention zur Gestaltung der Bahnhöfe und Haltestellen Schruns, Tschagguns, Kaltenbrunnen, Vandans und St. Anton i.M. Pro Station und Aufwand stehen jeweils max. 12.000,- Euro inkl. MWSt. zur Verfügung. Die Ausschreibung ist österreichweit offen und lässt sämtliche künstlerischen Medien zu.

Konzeptvorschlag
Alle beteiligten Bahnhöfe werden neu gestrichen. Die Farbe wird jeweils von der Nachbargemeinde bestimmt.

Ausführung
Allen zuordenbaren Gemeindemitgliedern im Einzugsgebiet der jeweiligen Bahnhöfe Schruns bzw. Tschagguns bzw. Vandans bzw. Kaltenbrunnen-Gantschier, bzw. St. Anton i.M. im schulfähigen Alter wird eine Farbtabelle vorgelegt, von denen 3 Lieblingsfarben ausgewählt werden können. Die meistgewählte Farbe wird erhoben und für den Anstrich des Bahnhofs der Nachbargemeinde verwendet - ausgehend vom Anfangsbahnhof,... bis sich der Kreis der Stationen schließt.

Um auf die architektonischen Gegebenheiten Bezug zu nehmen, werden evtl. Gebäudesockel mit einem um 20% dunkleren Farbton bedacht.

Eine Farbtabelle wird vom Künstler zur Verfügung gestellt: S.o.

Erläuterungen
Das vorgeschlagene künstlerische Projekt versteht sich als künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Das Ziel ist die Beteiligung der gesamten Bevölkerung der jeweiligen Gemeinden, die auf zweierlei Weisen dazu eingeladen wird, ihren eigenen Lebensraum mitzugestalten: (1) durch die Erhebung der Farbgebung und (2) durch die daraus zu erwartende Diskussion (kurz- und langfristig).

Das Resultat ist die Bestimmung einer Farbe, mit der der Bahnhof der jeweiligen Nachbargemeinde angestrichen wird. Sowie die Verwandlung des Bahnhofs in eine Skulptur des Partizipations- prozesses.

Die Entscheidung einer Gemeinde über die Farbgebung der jeweiligen NACHBARGEMEINDE hat drei Gründe: (1) Zum einen wird damit die Metapher des Reisens von einem Bahnhof zum nächsten (usf.) berücksichtigt. (2) Zum anderen greift die Idee eine Eigenheit lokaler (d.h. dörflicher) Kommunikationsstrukturen auf: Ausgehend von der Beobachtung, dass die Gemeinden des Montafon – so wie auch für andere Talschaften der Region (Vorarlbergs) typisch – ihre Selbstidentität durch Abgrenzung von der jeweiligen UND Bezugnahme auf die jeweilige Nachbargemeinde finden – durch z.T. tatsächliche, z.T. konstruierte, fingierte Unterschiede, wie sie sich oft in kleinen Geschichten oder Witzen widerspiegeln –, nistet sich das vorgeschlagene Projekt in eine bereits bestehende kommunikative Praxis ein und forciert sie.

Dazu kommt ein weiteres, nämlich (3) die Beobachtung, dass die Entscheidung für Fassadenfarben meistens NICHT nach dem eigenen Geschmack getroffen wird, sondern in der Regel einem Kompromiss zwischen der eigenen Neigung und einem fiktiven, allgemeinen Geschmack entspricht. Diesen prinzipiellen Konflikt versucht das vorgeschlagene Projekt unter dem Motto “Mut zur Farbe”, auf eine Spitze zu treiben.

Titel des eingereichten Konzepts
“Mut zur Farbe. Ein Denkmal der Partizipation”

Technik
Partizipation / Dispersionsfarbe

Kurzbiografie
Richard Jochum, geb. 1967 in Innerbraz, Studium u.a. der Philosophie an der Jesuitenfakultät Innsbruck, sowie Bildhauerei und Medienkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zahlreiche Ausstellungen, Publikationen, Stipendien, Auszeichnungen und Preise.
Seit 2004 Gastkünstler und Dozent an der Columbia University in New York.
Arbeiten in den Medien Buch, Text, Bild, Skulptur, Fotografie, Design, Video, Architektur.