PaperSeries, Galerie Lindner Wien, 2010

Die Ausstellung PaperSeries ist Jochums zweite Ausstellung in der Galerie Lindner. Richard Jochum hat in den 90er Jahren eine Zahl von Buch-Objekten produziert, konzeptuelle Kürzestbücher und minimalistische Arbeiten, mit denen er seine damals ersten Ausstellungen bestritt. Seither hat er sich in einer Reihe von Medien hervorgetan, Performance, Skulptur, Installation und Video.

Die in der Galerie Lindner ausgestellten Papierarbeiten verstehen sich als eine Weiterführung des Schaffens des Künstlers und Wiederaufnahme seines Dialogs mit dem Papier als jenem Material, das das Selbstverständnis des Künstlers von Anfang an geprägt hat. Im Gegensatz zu seinen Buch-Objekten verzichtet Jochum hier allerdings auf das Mittel der Sprache und führt die Arbeit als eine visuelle Fragestellung vor: Was passiert, wenn wir ein Stück Papier, das zerknittert wurde, wieder glatt streichen? Nichts. Denn das zerknitterte Papier, ein Eselsohr zum Beispiel, wird selbst durch Bügeln nicht mehr glatt und kann in den Zustand der Herstellung, frisch gewalzt und zweidimensional, nicht mehr zurück. Die Falte zeichnet sich als Spur und als Erweiterung ab, die das Zugestoßene speichert und dem Papier eine dritte Dimension, d.h. Räumlichkeit verleiht.

Die Räumlichkeit ist allerdings im Falle des Prints Camouflage, denn das Papier wurde in der Zwischenzeit mit einer Großformatkamera fotographiert und als Digitaldruck mit archivierbaren Materialien reproduziert. Das spielerische Hin- und Her zwischen Zweidimensionalität und Räumlichkeit widerspiegelt das Verwischen der Grenzen von Photographie und Skulptur, zwischen der Geschichte als Zustand und der Erinnerung an das Geschehene.